Hoffnungsvoll

Mein Blog

Schon als Kind schrieb ich gern. Mit neun Jahren besuchte ich zum ersten Mal einen Literatur-Workshop. Durch das Schreiben, aber auch durch das Tanzen, Kochen und Fotografieren entdeckte ich einen anderen Zugang zum Leben. Heute arbeite ich als reformierte Pfarrerin und entdecke das Leben nicht nur durch die Kunst, sondern durch die Gespräche mit unterschiedlichen Menschen, die mein Leben bereichern.

Ich teile auf meinem Blog Gedanken von gestern und heute, auf Deutsch und Spanisch. Gedanken aus meinen verschiedenen Lebens- und Berufserfahrungen sowie Erfahrungen von Reisen, Weiterbildungen und Gesprächen.


Neue Beiträge

Advent, Dezember 2024

Advent.

Vielleicht ist es für dich Hoffnung,

vielleicht ist es auch Ungeduld.

Du wartest.

Auf etwas.

Seit gestern, seit Jahren.

Du glaubst fest daran,

es wird bald kommen.

Und dann – nichts.

Der Glaube wackelt.

Es passiert nicht schnell genug.

Suchen – und finden.

Suchen – und nicht finden.

Jeder Rückschlag,

noch eine Enttäuschung.

Du stehst wieder auf,

fällst wieder.

Alles kennst du –

und doch,

ist jedes Mal anders.

Warten.

Hoffen.

Gute Gedanken?

Die müssen wachsen,

in einer Zeit,

in der alles unerreichbar scheint.

Und dann sagt er:

„Ich weiss, was ich für euch denke“, spricht der HERR.

„Gedanken des Friedens.

Nicht des Leidens.

Ich gebe euch Zukunft,

und ich gebe euch Hoffnung.“ (Buch Jeremias)

Zum Lied "Blue" von Joni Mitchell 12 nach 12 am 10. Juni 2024

Als Joni Mitchell, Autorin des nächsten Liedes, ihr Album schrieb, ging sie durch eine Trennung. Rückblickend erzählte sie: «In dieser Phase meines Lebens hatte ich keine persönlichen Verteidigungsmöglichkeiten. Ich fühlte mich wie eine Zellophanhülle auf einer Zigarettenschachtel. Ich hatte das Gefühl, dass ich absolut keine Geheimnisse vor der Welt hatte und ich konnte in meinem Leben nicht so tun, als wäre ich stark. Oder glücklich zu sein»

Unverfügbarkeit 12 nach 12 am 27. April 2024

Ein Wort begegnet mir seit ein paar Jahre immer wieder: Unverfügbarkeit.

Ein deutscher Soziologe, Harmut Rosa, hat darüber ein ganzes Buch geschrieben. Er sagt, dass das Leben sich als Wechselspiel vollzieht, zwischen dem, was uns verfügbar ist, und dem, was unverfügbar bleibt.

Gerade in unserer heutigen Welt ist dieser Gedanke fast etwas unerträglich. Denn heute wird immer die Optimierung und Verbesserung gesucht: Berge sind zu besteigen, Prüfungen zu bestehen, Karrierestufen zu nehmen, Orte zu besuchen und zu fotografieren. Wie gelingt uns, uns in diesem Verbesserungszwang nicht zu verlieren?  

Sich öffnen oder sich verschliessen? 12 nach 12 am 11. März 2024

Heute hören wir ein Lied, das als Kind mein Lieblingslied war: Farben des Windes vom Film: Pocahontas. In diesem Film geht es um die Eroberung Lateinamerikas und wie zwei unterschiedliche Kulturen aufeinanderprallen. Im Lied stellt Pocahontas ihre Weltanschauung vor und fordert ihr Gegenüber auf, sich für andere Welten zu öffnen, anstatt zu glauben, dass alle wie er leben und denken.Dies ist immer eine der grössten Herausforderungen zwischen uns Menschen: offen zu sein und zu bleiben, offen für anders Denken und Handeln – ohne es sofort zu beurteilen.

Wer bin ich? 12 nach 12 am 05. Februar 2024

Heute hören wir zwei Lieder, die die einzige Gemeinsamkeit, die sie haben, ist, dass sie auf Bärndeutsch sind. Sie können als Zuhörer, Zuhörerin, entscheiden, mit welchem Lied und Gedanken Sie mehr in Resonanz gehen. Je nachdem, wo Sie im Leben stehen, löst das eine oder das andere Lied etwas anderes aus.

Beim ersten Lied von Heidi Stucki: du fragsch mi, wär i bi, geht es um die Frage: Wer bin ich und wie zeige ich mich nach aussen? Wie werde ich wahrgenommen?

Wer bin ich?

Diese Frage stellte sich der deutsche Theologe Dietrich Bonhoeffer als er im Gefängnis war. Ich lese ein Teil von seinem Gedicht:

Wer bin ich? Sie sagen mir oft,

ich träte aus meiner Zelle

gelassen und heiter und fest,

wie ein Gutsherr aus seinem Schloss.

Wer bin ich? Sie sagen mir auch,

ich trüge die Tage des Unglücks

gleichmütig lächelnd und stolz,

wie einer, der Siegen gewohnt ist.

Bin ich das wirklich, was andere von mir sagen?

Oder bin ich nur das, was ich selbst von mir weiss?

Unruhig, sehnsüchtig, krank, wie ein Vogel im Käfig,

ringend nach Lebensatem, als würgte mir einer die Kehle,

hungernd nach Farben, nach Blumen, nach Vogelstimmen,

dürstend nach guten Worten, nach menschlicher Nähe…

Wer bin ich? Der oder jener?

Bin ich denn heute dieser und morgen ein andrer?

Bin ich beides zugleich?

Wer bin ich? Einsames Fragen treibt mit mir Spott.

Wer ich auch bin, Du kennst mich, Dein bin ich, o Gott!

Lied: Du fragsch mi, wär i bi

Wer bin ich?

Zu dieser Frage sagte einmal Mani Matter als Musiker und Jurist: «Ich arbeite einerseits am Funktionieren der Zivilisation, andrerseits unterhalte ich die Leute mit Liedern».

Dies kommt besonders beim zweiten Lied «Hemmige» zum Vorschein. Das Lied ist nicht nur ein Ohrwurm, sondern auch ein Plädoyer für Hemmungen, die das Funktionieren der Gesellschaft und den Trieb der Menschen regeln.

Für das Zusammenleben in einer sozialen Gruppe finde ich wie Mani Matter, kann die Angst, aus dem Rahmen zu fallen, sinnvoll sein. Schwierig wird es, wenn ich mir aus Angst nicht mehr zutraue, einen neuen oder anderen Weg zu gehen, weil ich Hemmung habe. Also Angst, mich zu blamieren oder ausgegrenzt zu werden.

Wer bin ich? Welche Hemmungen sind selbstgemacht und hindern mich und welche sind sinnvoll für das Zusammenleben in Respekt und Achtung?

Lied: Hemmige

Segen

Gott segne dich und behüte dich

Er lasse sein Angesicht über dir leuchten

Und sei dir gnädig

Er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir seinen Frieden. Amen.

Was gibt mir Hoffnung in der Zeit der Wartens? 02. Dezember 2022

Balance, 12 nach 12 in der Peterskapelle vom 16. Juli 2022

In der Seelsorge begegnen mir oft Menschen, die versuchen, das Gleichgewicht in ihrem Leben nicht zu verlieren. Ich merke, ich selber muss manchmal darauf achten. Manchmal sind es negative Gedanken, die uns aus dem Gleichgewicht bringen, ein anderes Mal sind es Menschen, die uns nicht gut tun, und zuweilen sind es Situationen, wie z.B. Krankheit oder Arbeitslosigkeit.

Ja oder nein? Alles oder nichts? Stehen bleiben oder zurück gehen? Sich umdrehen und Hilfe holen? Oder allein weiter gehen?

Wir suchen oft die Balance zwischen Dunkelheit und Licht, Glauben und Unglauben.

Jesus richtet an alle, die das Gleichgewicht versuchen zu halten, ein Wort: Kommt zu mir all ihr Geplagten und Beladenen, ich will euch erquicken! - Ich bringe euch wieder ins Gleichgewicht.

Um die Balance zu halten, brauchen wir einen festen Boden und den Gleichgewichtssinn. Das Organ dafür sitzt zwischen Innenohr und Kleinhirn. Da, wo früher auch die Seele vermutet wurde. Aber wir erreichen das Gleichgewicht nicht allein. Es ist eine unfassbar grosse Kraft, die uns erdet und hält. Man muss dieser Kraft einen Platz anbieten, wo sie ansetzen kann. Um das Gleichgewicht wieder zu finden, ist es deshalb wichtig, uns wieder zu verbinden. Zuerst uns mit uns selbst zu verbinden, zu spüren, wahrzunehmen und anzunehmen.

Dann uns mit unserer Quelle der Kraft verbinden und zuletzt mit unseren Mitmenschen, mit jenen, die zu uns stehen, die uns Halt geben, die uns lieben und ermutigen, den nächsten Schritt auf dem Seil zu tun, auch wenn dieser ungewiss ist und uns Angst macht. Und vielleicht merken wir so, dass das Seil unseres Lebens, das horizontal für unseren Lebensweg steht, von einem anderen Seil, das vertikal ist, durchkreuzt ist. Wie das Gedicht von Bernhard Näf erzählt:

mein leben

am seidenen faden

hängt es

verwundbar

verletzlich

mein leben

am seidenen faden

ausgesetzt

allem

ein weinen

ein lachen

ein schreien

ein stöhnen

es zittert

mein leben

am seidenen faden

kürzer

länger

kürzer

länger

es hängt

so richtig

ungleichgewichtig

hängt es

seidenfroh

hängt es

mein leben

aufgehängt

am himmel

in mir

mein gott

Näf Bernhard Ruth, und dazwischen ein schweigen, alataverlag Winterthur 2009, S. 7

Von Gipfeln und Täler, Kolumne Bielertagblatt vom 14. Mai 2022

Heute ist in Deutschland der nationale Tag des Wanderns. Eigentlich könnten wir auch in der Schweiz diesen Tag feiern, denn unser Land hat über 650'000 Kilometer markierte Wanderwege. Wandern hat nicht nur einen körperlichen Anteil, sondern auch einen spirituellen.

Vor einigen Jahren entdeckte ich ein Buch von Anselm Grün: «Von Gipfeln und Tälern des Lebens». Er versteht das Wandern als Bild für den Weg als Mensch. Er sagt: «Beim Wandern wie im Leben geht es immer wieder darum, sich neuen Herausforderungen zu stellen, sich und seine Kräfte zu erproben, an den Aufgaben zu wachsen.»

Unfertiges - Predigt am Palmsonntag, 10. April 2022, Johannes 17:1-11

Die heutige biblische Geschichte steht in einer Spannung zu der traditionellen Geschichte am Palmsonntag, wo Jesus in Jerusalem einzieht. Dort wird er empfangen und begrüsst. Anders ist es im Johannesevangelium, wo Jesus sich verabschiedet von seinen Jüngern und Jüngerinnen. Abschiednehmen gehört zum Leben und ist trotzdem immer wieder eine Herausforderung. Wir verabschieden uns nicht nur von einem Menschen, einem Tier oder einem Ort, sondern auch von einem Teil von uns selbst, der mit denen verbunden war, von einem Stück Geschichte. Ich merke, dass Abschiednehmen uns besonders dann schwerfällt, wenn wir mit jemandem tief verbunden waren oder das Gefühl haben, dass wir mit etwas oder jemandem nicht ganz fertig werden. Manchmal müssen wir mit einem Gefühl des Ungelösten im Herzen in manchen Beziehungen und deren Geschichte leben.

Diese Unfertigkeit spüre ich in den Jüngern und Jüngerinnen, die Jesus nachfolgen und auf seine Abschiedsworte hören, ohne sie ganz zu begreifen. Sie haben ein schweres Herz, weil Jesus sie allzu früh verlässt.

Frühling in Kriegszeiten 29. April 2022

Zurzeit erwacht die Natur kräftig. Ich habe Freude daran. Ich geniesse den Duft und die Farben und spüre, wie auch in mir etwas wach wird. Gleichzeitig erreichen uns täglich die traurigen und grausamen Nachrichten über den Krieg und die Geflüchteten aus der Ukraine. Ein grosser Kontrast, der ein Gefühl der Zwiespältigkeit hervorruft. Die Bibel kennt auch diese Kontraste, wie zum Beispiel die Kreuzigung Jesu und seine Auferstehung oder Hiob, der alles, was ihm wichtig ist, verliert und doch am Ende doppelt gesegnet wird.

Ich merke dabei, dass das Leben oft voller Spannungen ist. Gegensätzliche Situationen oder Wünsche, die wir aushalten müssen. Wie die Spannung zwischen Wunsch und Wirklichkeit; die Spannung zwischen Wollen und Können; die Spannung zwischen Bösem und Gutem; die Spannung zwischen Selbstfürsorge und Selbstlosigkeit. Wir können diese Spannungen nicht immer auflösen, aber wir können Gott darum bitten, dass er uns hilft, diese auszuhalten oder einen zu Weg finden, damit umzugehen. Paulus schreibt in seinem Brief an die Römer: Nicht allein aber das, sondern wir rühmen uns auch der Bedrängnisse, weil wir wissen, dass Bedrängnis Geduld bringt, Geduld aber Bewährung, Bewährung aber Hoffnung.

Sich der Bedrängnisse rühmen, ist etwas, was sich fremd anhört. Zu der Zeit aber, in der Paulus solche Worte geschrieben hat, wurden die Christinnen und Christen verfolgt. Er versucht dem Leiden, das das Verfolgt werden, verursacht, einen Sinn zu geben. Deshalb sagt er, dass das Aushalten der Bedrängnisse uns etwas lehrt, und zwar wie wir geduldig werden. Und er sieht ein, dass diese Haltung eine weitere Frucht hervorbringt: die Bewährung. Diesbezüglich kommt mir in den Sinn, dass wir oft sagen: Etwas hat sich bewährt. Damit ist gemeint, dass etwas in verschiedenen Situationen funktioniert hat. Eine bewährte Methode, auf die ich immer wieder zurückgreifen kann und mir Halt gibt. Wenn wir in schwierigen Zeiten das immer wieder finden, was in unserem Leben Bestand hat, gelangen wir nach Paulus zur Hoffnung.

Vielleicht geht es in diesen Tagen darum, diese Gegensätze wahrzunehmen und daraus etwas zu lernen. Denn Gegensätze, auf die wir stossen, haben oft die Aufgabe, uns zu uns selbst und zu dem, was in uns Bestand hat, zurückzurufen. In solchen Wüstenzeiten können wir uns wieder auf unsere Quelle zurückbesinnen und daraus Kraft schöpfen.

Ich sehe zum Beispiel in dem Frühling etwas, was uns zu mehr Hoffnung in dieser schwierigen Zeit führen kann. Vor allem, die schönen Momenten, die uns geschenkt werden, geniessen und so Mut schöpfen können - für das Leben, das Helfen, wo wir können, und das Aushalten der Ohnmacht.

Es braucht auch gute Szenarien - 8. Februar 2022 in der Peterskapelle, Luzern

Vor kurzem las ich in der Zeitung: «Es braucht auch Best-Case-Szenarien»

«Es braucht auch gute Szenarien»

Die letzten zwei Jahre haben wir uns daran gewöhnt, verschiedene Szenarien zu entwickeln. Besonders Szenarien, in denen alles schief gehen könnte: «Was wäre, wenn dies oder jenes eintreffen würde»...

So entstand eine Kette aus Reaktionen: neue Massnahmen, Kontrollen, aber manchmal auch Ängste.

«Es braucht auch Best-Case-Szenarien» - anstatt nur Worst-Case-Szenarien. Wir brauchen auch in unserem Leben, Vorstellungen, in denen die Dinge gut gehen können und sich in eine gute Richtung entwickeln können. Im buch Jeremias lesen wir:

«Ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung» (Jeremias 29, 11)

Wo sind gerade deine Gedanken? Drehen sich in deinem Kopf wie in einem Karussell? Sind sie bei dir oder bei jemandem anderen? Was sind es für Gedanken? Hilfreich und ermutigend? Oder voller Pessimismus und erdrückend?

Gott denkt auch, sagt Jeremias – er denkt an uns. Seine Gedanken drehen sich um den Frieden und nicht um das Unheil. Diese Worte richtet er an das Volk, das in die Verbannung geführt wurde. Die Menschen sind weit weg von ihrer Heimat, ohne Wurzeln. Dann spricht Gott zu Jeremias:

«Ich kenne die Gedanken, die ich über euch denke, Gedanken des Friedens und nicht zum Unheil, um euch eine Zukunft zu geben und Hoffnung» (Jeremias 29, 11)

Manchmal reicht nur ein Gedanke, der die Richtung meiner Gedanken ablenkt. Geh doch heute einfach mal vom Best-Case aus, dass alles in deinem Leben in eine gute Richtung sich entwicklen könnte.

Maria Sassin schrieb folgendes Gedicht über die guten Gedanken:

Gute Gedanken

kriechen ganz leise

von Herzen zu Herzen

kosen die tosenden Wogen

sie glätten und heilen

richten und weisen

tragen und wiegen.

Gute Gedanken

gottgegebene Boten

Weggefährten ins Morgen.

Welchem Gedanken des Friedens könnte ich heute in meinem Herzen Raum geben?

Das Wunder bleibt nicht aus! - Predigt am 16. Januar 2022 über Johannes 2:1-11

Wann war das letzte Mal, das Sie auf ein Wunder gewartet oder sogar dafür gebetet haben? Wann war das letzte Mal, dass Sie die Sehnsucht gespürt haben, dass etwas, was schmerzt oder im Schatten steht, sich zum Gutem wenden möge? Die Sehnsucht danach, dass etwas, ganz unerwartet in meinem Leben eintreten soll, um meine Realität zu verändern.

Irgendwie merke ich mit den Jahren, dass ich mir leider abgewöhnt habe, auf Wunder zu warten oder mich überhaupt mit meiner Sehnsucht danach an Gott zu wenden. Enttäuschungen, Verletzungen und Schmerz hindern uns manchmal daran, wie ein Kind zu jauchzen: wunderschön oder wundervoll! Ja, oft gehen wir wie Blinde durch die Welt. Entweder leiten uns die falschen Erwartungen und wir werden von etwas geblendet, was nicht nachhaltig ist, oder wir können unsere Situation nicht annehmen, wie sie ist und machen die Augen ganz zu.

Das Verwandeln zu Blumen - Gedanken zum Sonntag, Bielertagblatt 15. Januar 2022

Letzte Woche durfte ich in Zürich die Ausstellung «Vida Frida Kahlo» besuchen. Diese Ausstellung ist eine Weltpremiere, in der Bilder von Frida Kahlo illuminiert, animiert, vertont und im Raum projiziert werden.

Als ich in den Saal der Ausstellung kam, suchte ich mir einen Platz im Raum und liess die Bilder und Erzählungen auf mich wirken.

Wir sind Weihnachten?! - Predigt zum 4. Advent 2021 (Brief an die Philipper 4, 4-7)

Vor einigen Wochen sagte eine Kollegin an einem Weihnachtsessen: Weihnachten ist nicht abgeschafft, wir sind Weihnachten.

Dieser Satz löste bei mir verschiedene Gefühle aus, auf der einen Seite ein bisschen Niedergeschlagenheit, denn ich muss mich teilweise bemühen in der aktuellen Lage die Vorfreude auf Weihnachten aufrechtzuerhalten, und auf der anderen Seite sehe ich nicht, was an mir Weihnachtliches sein kann.

«Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch!» steht im Paulusbrief. Dies löst die gleichen Gefühle in mir aus, denn in mir steigt mit der aktuellen Corona-Lage, aber auch sonst privat ein bisschen das Gefühl auf: Ich mag nicht mehr. Wie kann ich mich freuen, wenn die Zahlen der Ansteckungen steigen, eine schlechte Stimmung in der Gesellschaft, aber manchmal auch in der Familie, bei der Arbeit und unter Freunden herrscht.

Ich spüre eine Mischung aus Resignation und Ohnmacht.

«Freut euch im Herrn allezeit! Nochmals will ich es sagen: Freut euch!» dies kommt mir wie ein Appell vor. Ja, es ist Imperativ: Freut dich! Freude aber kann man nicht erzwingen, oder?

Wir können die Frage aber anders lesen, als eine Art «Memo», das uns erinnert: Schau hin, auf was kannst du dich in deinem Alltag «jetzt» freuen?

Noch bist du da, Gedanken zum Sonntag - Bieler Tagblatt, 11. November 2021

In einer Woche endet das Kirchenjahr mit dem Ewigkeitssonntag. Menschen versammeln sich, um Gottesdienst zu feiern. Dabei werden die 
Namen ihrer Verstorbenen, die dieses Jahr gegangen sind, vorgelesen, und es wird eine Kerze für 
sie angezündet. Viele bleiben anschliessend zum Gespräch beim Kirchenkaffee oder Apéro.

Ich durfte als Pfarrerin diese Feier jahrelang
 gestalten. Es ist eine dankbare Angelegenheit, die viel Sorgfalt und Feingefühl braucht. Solche Rituale, unserer Toten zu gedenken, sind wichtig. Denn sie unterstützen uns auf dem Weg des 
Loslassens.

«Noch bist du da», schrieb Rose Ausländer in einem Gedicht, als sie im Altersheim lebte und ihr Tod näher rückte. «Noch bist du da» kann in Hinblick auf den Totensonntag zweideutig verstanden werden: Der oder die Verstorbene ist noch in unseren Gedanken und Erinnerungen da. Gleichzeitig sind wir diejenigen, die hier noch 
da sind.

In der Zwischenzeit, Gedanken zum Sonntag - Bieler Tagblatt, 02.10.2021

Seit einigen Wochen spüren wir den Herbst. Die Tage werden kürzer und der Nebel breitet seinen Mantel aus. Mir kommt immer wieder der folgende Satz von Rainer Maria Rilke in den Sinn: „Die Blätter fallen, fallen wie von weit, als welkten in den Himmeln ferne Gärten…“

Wir wandeln, wie die Natur, von einer zu der anderen Zeit. Wir erleben auch in unserem Leben Zyklen, Etappen, wo loslassen und neu beginnen, angesagt sind. Aber selten wird über die Zeit dazwischen, zwischen Altem und Neuem, gesprochen. Vielleicht hat es damit zu tun, dass diese Zeit zwischen dem, was ist, und dem, sein sollte, oft nebelig ist. Mir fällt das Bild der Israeliten in der Wüste ein. Oft waren sie nah am Abgrund und der Verzweiflung. Hinter sich liessen sie ein Zuhause und Essen und vor ihnen hatten sie das gelobte Land. Dazwischen aber lag ein langer Weg durch die Wüste, ohne ein festes Zuhause und wenig Essen. Dieser Weg durch die Wüste muss nicht unbedingt nur negativ sein.

Kraft in der Ohnmacht, Gedanken zum Sonntag - Bieler Tagblatt, 21.08.2021

In diesen Tagen steht mir wieder das Buch des afghanischen Schriftstellers, Khaled Hosseini, „Tausend strahlende Sonnen“ vor Augen. Es schildert das Leben zweier Frauen in Afghanistan vor, während und nach der Zeit der Taliban.

Luzerner Zeitung - Porträt 22. Juli 2021

Durch die Vielfalt befreit! - Predigt am 27. August 2021 in der Pauluskirche zur Geschichte Turm zu Babel (1. Mose 11:1-9)

Spiegeln, Spiegeln an der Wand… welches Gebäude ist das höchste im ganzen Land?

Es gibt ein kleines Dorf in Norditalien, San Gimignano. Es ist ein hübsches italienisches Dorf mit der besten Glace der Welt und einer Besonderheit: 15 Türme, die einst von den Patrizierfamilien erbaut worden waren. Früher gab es sogar 72 solcher Türme im Dorf. Sie waren nicht zum Bewohnen gebaut, sondern sie waren Zeichen von Reichtum und Macht.

Spiegeln, Spiegeln an der Wand… welches Gebäude ist das höchste im ganzen Land?

Das Dörfchen Vals im Bündnerland hat 1000 Einwohner. Dort wollte der Financier Remo Stoffel einen 381 Meter hohen Turm mit Hotel bauen. Das Hotel kostete 300-Millionen-Franken und besteht aus 107 Suiten auf 82 Stockwerken. Das Hotel ist heute stark verschuldet und sucht.

Damals und heute werden Türme gebaut. Heute sehen sie zum Teil anders aus oder haben andere Namen.

Biel Bienne mon amour - Lieblingsorte aus theologischer Sicht 19.06.2021

Konfpredigt am 30. Mai 2021 in der Stadtkirche Biel

Für das Konflager sind wir am Freitag ins Forest-Jump gefahren. Nach einer einstündigen Wanderung kamen wir im Seilpark an. Nach einer kurzen Pause habt ihr sofort angepackt und mit dem Parcours begonnen. Ich habe dabei beobachtet, wie ihr euch gegenseitig Mut gemacht habt, wenn jemand laut geschrien hat: „Ich habe Angst!“ Und wie ihr euch Orientierung gegeben habt, wenn jemand gefragt hat: „Wie hast du es gemacht?“

Ich habe auch gesehen, wie ihr eure Grenzen eingeschätzt habt, und wenn es nicht mehr ging, den Ausgang aus dem Parcours gesucht habt. Dies fand ich mutig. Denn für das Leben ist es wichtig und notwendig, sich selbst zu spüren und zu merken, wo die eigenen Grenzen liegen.

An diesen Tag ging es um Vertrauen, ineinander, aber auch in sich selbst. Denn den Schritt in die Luft habt ihr es selber gemacht. Ihr habt die Augen zugemacht und darauf vertraut, dass das Seil euch trägt.

„Ich setzte den Fuss in die Luft, und sie trug“, schrieb eine deutsche Dichterin, Hilde Domin. Ja, es ging auch, um Vertrauen an etwas Grösseres, vielleicht für einige eine Kraft, für andere Gott.

Fotos von Caroline Hirt, 30. Mai 2021

Die Konfirmation im Wandel - Kolumne, Bieler Tagblatt 29. Mai 2021

Morgen wird die erste Konfirmation des Jahres in der Stadtkirche gefeiert. Mit der Konfirmation feiern Jugendliche den Übergang in einen neuen Lebensabschnitt. Damit ist die kirchliche Unterweisung beendet und sie können nun Götti oder Gotte werden. Früher galten viele nach dem Fest als Erwachsene. Warum sind Übergangsrituale wie die Konfirmation immer noch wichtig?

Pfingsten 2021

«…und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jeden von ihnen liess eine sich nieder.»

Am Freitag und Samstag hatte ich Kurs zum Thema Strategie in der Kirche. Die Hauptfrage war, warum machen wir was wir tun? Was begeistertuns als Kirche heute?

Ich habe 4 kurze Thesen dazu formuliert.

Machen was ich will - Kolumne, erschienen im Bieler Tagblatt am 13. April 2021

Der April macht, was er will! Diesen Satz las ich vor kurzem in den Bus-Nachrichten. Er stimmte mich nachdenklich. Ich fragte mich: Mache ich auch, was ich will - wie der April?

Als ich zu Hause kam, nahm ich ein Buch, das ich empfohlen bekommen habe: „Machen Sie doch, was Sie wollen!“ von Maja Storch. Sie ist eine deutsche Psychologin, die an der Universität Zürich arbeitet. In diesem Buch erzählt sie von einer interessanten Theorie. Sie geht davon aus, dass viele Menschen nicht wissen, was sie wollen, und sie fragt sich, wie wir dem, was wir wollen, auf die Spur kommen können?

Predigt zum Karfreitag am 02. April 2021

Ein italienischer Theologe, David Turoldo, sagte einmal: „Am Ostertag glauben, das ist kein richtiger Glaube: Zu schön bist du an Ostern. Wahrer Glaube glaubt am Karfreitag“ -

„Wahrer Glaube glaubt am Karfreitag“ - Dieser Satz ging mir unter die Haut. Wie kann man doch am Karfreitag glauben? Der dunkelste Tag im Leben von Jesus. Der Tag, an den wir direkt mit unserer Dunkelheit, unserem Leid und unserer Ohnmacht konfrontiert werden. Wie kann man dann glauben?

Was taugt jetzt? - Kolumne, erschienen im Bieler Tagblatt am 6. März 2021

Vor kurzem tauschte ich mich mit einer Freundin darüber aus, wie gereizt und genervt viele Menschen zurzeit sind. Das ist zum Teil nachvollziehbar, denn wir leben nun bereits ein Jahr im Ausnahmezustand. Manchmal geht die Geduld zu Ende und die Luft ist fast raus. Sie erwähnte im Gespräch das Gedicht „Bitte“ von Hilde Domin. Der Anfang ist dramatisch: „Wir werden eingetaucht und mit den Wassern der Sintflut gewaschen. Wir werden durchnässt bis auf die Herzhaut.“

Online-Gottesdienst am 08.11.2020

Pfingstgottesdienst auf TeleBärn, Stadtkirche Biel, 31.05.2020

https://www.telebaern.tv/gottesdienst/der-gottesdienst-zu-pfingstsonntag-aus-der-stadtkirche-biel-137939681


Wir haben Hoffnung - Tenemos Esperanza - 19.04.2020

„Lass dich nicht unterkriegen, sie frech und wild und wunderbar!“

Astrid lindgren, Schriftstellerin