Blumen Artist
Predigten
Für das Leben
Liebe Gemeinde
In den letzten Tagen ist mir aufgefallen, dass andere Formen sich zu begrüssen oder zu verabschieden in unserer Gesellschaft entstehen. Beim Telefonieren fragt man häufiger mit grossem Interesse: Wie geht es Dir? Besonders ist mir aber aufgefallen, dass alle Gespräche, mit Bekannten oder Unbekannten anders enden, nämlich mit dem Wunsch: Bleiben Sie gesund!
Gesundheit ist das Erste, was sich frischgebackene Eltern für ihre Kinder wünschen. Gesundheit wünschst man sich auch im hohen Alter, aber auch zum Neuen Jahr oder beim Geburtstag.
Bleiben Sie gesund! Dieser Satz erinnert mich an das «b’hüte dich Gott» der Grossmütter. «Bleiben Sie gesund und b’hüte dich Gott» haben mit Heil, aber auch mit Schutz zu tun. In der Bibel kommen diese beiden Aspekte in dem Segen vor. Segen, Bene dicere auf Lateinisch, bedeutet «Gutes sagen, gut sprechen – zu anderen». Damit ist eine wohlwollende innere Haltung gemeint, in Bezug auf Menschen wie auch auf Vorhaben. In unserem Alltag formulieren wir auch ständig solche Segenswünsche: Gute Reise! Gute Besserung! Guten Tag! Gutes Gelingen! Alles Gute zum Geburtstag! Und jetzt neu: Bleiben Sie gesund!
Segen bedeutet aber viel mehr als gutheissen. Segen heisst, jemanden oder uns selbst in den Raum Gottes stellen. Und uns Gott anvertrauen: Gott segne mich, Gott segne dich.
Schon im Alten Testament kommt der erste Segen vor: «Gott segne dich und behüte dich. Gott lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Gott erhebe sein Angesicht auf dich und gebe dir Frieden.» (Numeri 6, 24-26)
Diese Worte kommen immer am Ende des Gottesdienstes vor. Sei es als Gebet oder als Zuspruch. Einmal sagte mir eine Frau: «Ich komme zum Gottesdienst, um den Segen zu erhalten.»
In diesen Zeiten von Corona merken wir, wie gut es tut, Zuspruch zu erhalten. Eine Ermutigung für unseren Alltag. Ein gutes Wort in einer Zeit der Unsicherheit und der Verzweiflung.
In der Bibel ist Gott der erste, der den Segen spricht. In der Schöpfungsgeschichte, ganz am Anfang der Bibel, sieht Gott alles, was er erschaffen hatte und sprach: Alles ist sehr gut.
Ausserhalb der Bibel gibt es auch Belege, die zeigen, wie Menschen den Segen mit sich trugen. Im Jahre 1979 fanden Ausgräber in Jerusalem zwei Silberstreifen, deren unsichere Datierung zwischen dem 7. und 4. Jh. V. Chr. angesetzt wird. In eingerolltem Zustand dienten sie wahrscheinlich als Amulette, die um den Hals getragen wurden. Auf beiden Amuletten steht das Thema Segen im Vordergrund. Dem Träger der Amulette diente also der Segen und Schutz Gottes zur Abwehr des Bösen und der Krankheit.
Gottessegen, Gottes gutheissen ist sein «Ja» zu uns Menschen. Gott wendet sich im Glück, aber auch im Leid zu uns. Segnen bedeutet nicht, einem anderen zu versichern: Alles ist gut, alles gelingt dir, nichts wird dir passieren. Gottes Segen schützt nicht vor allem Unglück wie ein Schirm vor Regen, aber er trägt in allem Leid und durch alles Leid. Segnen heisst also: Das ganze Leben gutheissen – mit seinem Gelingen und seinen Brüchen, seinem Scheitern. Das Schönste an dem Segen ist, dass Gott der ist, der uns segnet. Also «ich muss» nichts leisten. Ich darf empfangen.
Nun seien Sie gesegnet in dieser Zeit:
Gott segne dich in deiner Unsicherheit, damit du Kraft und Stärkung in deinem Alltag findest.
Gott segne dich in deiner Angst und schenke dir Menschen, die dich ermutigen, unterstützen und dir helfen.
Gott gebe dir Hoffnung und Zuversicht in den Stunden der Überforderung.
Gott segne dich in deiner Einsamkeit und lasse sein Licht über dich leuchten. Er schenke dir Verbundenheit mit ihm, anderen Menschen, der Natur und dem Universum.
Gott segne dich und allen, die dir lieb sind.
Gott segne all die Menschen, die leiden und krank sind. Sowie alle, die in diesen Tagen voll im Einsatz sind.
Gott segne dich und behüte dich. Er lasse sein Angesicht leuchten über dir und sei dir gnädig. Er erhebe sein Angesicht auf dich und schenke dir Frieden.
Amen.